Nomen est Omen – Was Armin Laschet mit Helmut Kohl gemein hat

Nomen est Omen – Was Armin Laschet mit Helmut Kohl gemein hat

„Der Name sagt schon alles.“ – behauptete ein guter Freund aus NRW als ich mit ihm über die Wahl des neuen CDU-Vorsitzenden Armin Laschet sprach. Um es deutlich zu machen, was er meinte, legte er zwischen der ersten Silbe des Familiennamens und der zweiten Silbe eine kleine Pause ein. „Lasch – et!“ Ganz so wie die Gender-gerechten Damen und Herrn in den öffentlich-rechtlichen Sendern, wenn sie über „Ministerpräsident-Innen“ berichten, die sich wieder einmal wegen Corona treffen. Ganz anders der Name Markus Söder, der von ihm als zupackender Polit-Manager wahrgenommen wird. Ein Mann mit Macherqualität, so wie einst Helmut Schmidt. 

Auf den ersten Blick vermittelt Armin Laschet dem Publikum in der Tat ein Image, das aus einer Mischung von Bürgerlichkeit, Provinzialität und einer Prise rheinischen Frohsinns besteht – der Mann aus dem Reihenhaus eben. Ich muss dabei an Helmut Kohl denken.  Er war in seinen frühen Jahren in der Landespolitik auch gerne auf den Fastnachtssitzungen in Mainz gesichtet worden.  Viele Jahre begleitete ihn der Spott mancher Medienarbeiter, die in ihm vor allem den Provinzler sahen. Sogar sein pfälzisch gefärbter Sprachduktus bestärkte sie darin. 

1976 auf dem Höhepunkt der Debatte um den Kanzlerkandidaten Kohl und die Einheit von CDU und CSU, lieferte der der CSU-Vorsitzende Franz Josef Strauß mit seiner legendären „Wienerwald-Rede“ weitere Munition.

Der SPIEGEL zitierte aus der Rede, die vor dem Landesvorstand der Jungen Union hinter den „verschlossenen“ Türen eines Tagungsraums in der Zentrale der Gastro-Kette „Wienerwald“ stattfand: „Herr Kohl …. wird nie Kanzler werden. Er ist total unfähig, ihm fehlen die charakterlichen, die geistigen und die politischen Voraussetzungen. Ihm fehlt alles dafür! ….

Der Helmut Kohl wird nie Kanzler werden. Der wird mit 90 Jahren die Memoiren schreiben: ‚Ich war 40 Jahre Kanzlerkandidat; Lehren und Erfahrungen aus einer bitteren Epoche‘.“

Strauß ließ seinen geballten Frust auf die versammelten JU-Vorständler niederprasseln. Der speiste sich aus dem Ergebnis von  CDU und CSU bei der vergangenen Bundestagswahl im Oktober 1976, die nur  knapp an der absoluten Mehrheit gescheitert waren und seiner gescheiterten Idee einer bundesweiten Ausdehnung der CSU als strategische Variante, mit der er sich an der Basis etliche „Blessuren“ eingehandelt hatte.  

Als ich knapp zwanzig Jahre danach Regierungssprecher von Helmut Kohl war, hatte die Geschichte Franz Josef Strauß mehr als deutlich widerlegt. Kohl stand im Zenit seines politischen Ansehens. Er wurde als „Vater der deutschen Einheit“ gefeiert und war ein auf der ganzen Welt gefragter Ratgeber und Gesprächspartner von Regierungschefs und Präsidenten. Dennoch kokettierte er gerne mit dem Image des Provinzlers und des Unterschätzten. Auf dem Weg zur Pressekonferenz nach einer internationalen Konferenz meinte er zu mir: „Jetzt kannst Du Deinen Journalisten sagen, dass der pfälzischen Bauer wieder kommt.“

Als ich mich in Bonn einmal mit einem Strauß-Intimus unterhielt, kamen wir unweigerlich auch an diesen Punkt.  Er nannte Kohl nur den „Oggersheimer“ und würzte das Ganze noch mit einem Bonmot über seine samstäglichen Treffen mit alten Freunden in der Sauna des öffentlichen Schwimmbads von Ludwigshafen. Mein Einwand, dass ihn das erde und ihm das mehr bringe, als zwei Sitzungswochen in Bonn, ließ ihn stutzen. „Sie haben ja recht. Wir alle haben Helmut Kohl total unterschätzt.“ Der Makel war Kohls Stärke.

So mancher SPD-Kanzlerkandidat wurde zu Beginn zum Hoffnungsträger stilisiert, bereits im Kanzleramt gewähnt und stürzte dann in einer nie für möglich gehaltenen Art und Weise ab. Das kann einem, der unterschätzt wird kaum passieren. Sicherlich ist es viel zu früh, um Armin Laschet mit Helmut Kohl zu vergleichen. Dafür muss der neue CDU-Vorsitzende noch einiges leisten. Provinz kann aber eine Stärke des Neuen sein. Wer im Reihenhaus lebt, kennt seine Nachbarn und das, was sie bewegt. Es gibt schlechtere Voraussetzungen für politische Mandate. 

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