Suaviter in modo …..

Der Ton der CSU im Streit um die Asylpolitik ist gegenüber der Schwesterpartei und ihrer Vorsitzenden milder geworden, fast schon freundlich. Als alter Lateinschüler (Ludwigs-Gymnasium in München!) kenne ich aber das lateinische „suaviter in modo, fortiter in re“, übersetzt etwa „verbindlich in der Vorgehensweise, hart in der Sache“. Offensichtlich schreckt die CSU-Führung davor zurück, verbal weiter so gegen Angela Merkel rumzuholzen, wie es Alexander Dobrindt noch in seinem letzten SPIEGEL-Interview am vergangenen Wochenende tat. Das Wendesignal gab der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer in einem langen Einzelinterview auf der Talkshow-Couch von Sandra Maischberger. Er habe schon viele schöne Momente mit der Kanzlerin erlebt und überhaupt kenne er niemanden in der CSU, der die Bundesregierung gefährden wolle, behauptete der Bundsinnenminister.
Hatte er die „Merkel muss weg!“-Wortmeldungen und die Gedankenspiele über die Zukunft der „Schicksalsgemeinschaft CDU/CSU“ von Mitgliedern der Staatsregierung in München, der Landtagsfraktion und der Landesgruppe der CSU-MdBs überhört? Hat der CSU-Vorsitzende eine selektive Wahrnehmung oder will er mit den sanften Tönen das entstandene Bild einer rauflustigen Partei verwischen, weil er merkt, dass viele bayerische Parteifreunde – vorsichtig formuliert- „irritiert“ über die Art und Weise dieser Auseinandersetzung sind? Wo war Horst Seehofer eigentlich während der Bundestagsdebatte zum anstehenden EU-Gipfel, bei der sein Thema diskutiert wurde? Hatte er „wichtige Termine“ oder wollte er keine Bilder von sich neben der Regierungschefin?
Die nächsten Tage werden zeigen, ob die verbale Abrüstung nur Teil einer Strategie war oder ein Einschwenken auf einen Kompromiss in der Asylpolitik. Da die Kanzlerin nun doch mit einem überraschend klaren Ergebnis in Sachen Asylpolitik vom Brüsseler Gipfel zurückkehrte.
Gelohnt hat sich die Eskalations-Strategie ausweislich der jüngsten Umfrageergebnisse jedenfalls nicht. Seehofer und Ministerpräsident Söder werden im Ranking der wichtigsten Politiker deutlich negativ bewertet. Und die Union hat an Wählerzuspruch verloren. Besonders beunruhigend müssen die bayerischen Umfrageergebnisse für die CSU-Spitze sein. Seit Monaten prognostizieren die Demoskopen ein Landtagswahlergebnis um die 40 Prozent. Das wäre zu wenig für die Ansprüche der CSU. Das läge sogar noch unter dem als Katastrophe empfundenen Wahlergebnis von 2008. Damals holten Ministerpräsident Beckstein und der damalige CSU-Chef Erwin Huber „nur“ 43,4 Prozent der Wählerstimmen. Das reichte für den Rücktritt Erwin Hubers und die Palastrevolte der Landtagsfraktion, der Günther Beckstein zum Opfer fiel. Markus Söder würde damit das schlechteste Landtagswahlergebnis der CSU seit 1954 unterbieten.
Vielleicht wäre es eine gute Idee sich noch einmal die Wahlergebnisse der Europawahl 2014 und der letzten Bundestagswahl etwas genauer anzuschauen. Die Wählerwanderungsanalysen deuten deutlich darauf hin, dass die CSU Gefahr läuft, ihre Stimmenreservoirs in der bürgerlichen Mitte auszutrocknen. Es wäre gut, wenn sich der starre Blick auf die Ergebnisse der Rechtspopulisten löst, und man andere, mehrheitsfähige Wege einschlüge.